Längerfristig sei er aber optimistisch, dass dieses Ziel noch erreicht werden könne, betonte de Boer, der nach dem weitgehend gescheiterten Kopenhagener Gipfel seinen Rückzug angekündigt hatte. «Es ist eine lange Reise.»
Die Perspektive rückte er weg vom Jahr 2020 auf das Jahr 2050. Bei einem Treffen von 35 Staats- und Regierungschefs hinter den Kulissen auf dem Kopenhagener Gipfel Ende 2009 seien die politischen Führer der Industrieländer dafür gewesen, bis 2050 eine Minderung der Treibhausgase um 80 Prozent zu erreichen. Auch die politischen Führer von Schwellen- und Entwicklungsländer hätten erklärt, ihren Treibhausgas-Anstieg bis zu diesem Zeitraum begrenzen zu wollen.
Was die Industrieländer bisher an eigenen freiwilligen Angeboten zur Minderung von Treibhausgasen auf den Tisch gelegt haben, reiche bei weitem nicht aus, betonte de Boer. Im Schnitt laufe es auf eine Reduzierung um etwa 13 bis 14 Prozent bis 2020 gegenüber 1990 hinaus - das würde eine Erwärmung um etwa vier Grad bedeuten. Um das Zwei- Grad-Ziel zu erreichen, sind aber rund 25 bis 40 Prozent Minderung nötig.
Bereits zuvor hatte de Boer wiederholt erklärt, dass auch auf dem nächsten Weltklimagipfel in Cancún (Mexiko) Ende dieses Jahres noch nicht mit einem neuen Weltklimavertrag zu rechnen sei. Auf der Bonner Vorbereitungskonferenz habe es bis zum Beginn der zweiten Tagungswoche zwar Fortschritte in «technischen Fragen» gegeben. Bei den «heißen politischen Themen» - vor allem der Frage der Treibhausgase - seien die Verhandlungen aber weiter festgefahren.
Rund 4500 Teilnehmer aus aller Welt wollen in Bonn eine Textgrundlage für die Verhandlungen in Cancún erarbeiten. Es sei aber unwahrscheinlich, dass bis Konferenzende am Freitag ein solcher fertiger Text vorliege, hieß es aus Delegationskreisen.

