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Der Countdown läuft: Noch 100 Tage bis zur Weltklimakonferenz in Cancún (20.08.2010)

Niemand wünscht sich in diesen Tagen ergiebigen Regen sehnlicher als die Menschen in Russland, die seit vielen Wochen gegen die schlimmste Dürre der russischen Geschichte kämpfen. Die Waldbrände haben dort ein Ausmaß erreicht, das die jährlichen Waldbrände in Australien oder den USA, an die man sich fast schon gewöhnt hat, in den Schatten stellt.

Während in Russland noch halbwegs geordnet die Menschen ihre Städte und Dörfer verlassen, um den Rauchwolken und Bränden zu entgehen, steht den Bewohnern Pakistans das Wasser bis zum Hals. Die schlimmste Überschwemmung, die am Indus jemals verzeichnet wurde, hat bis zum heutigen Tag mehr als 20 Millionen Pakistaner obdachlos gemacht.

Bild: Pixelio/ZaubervogelEin Vorgeschmack des Klimawandels? Wir werden uns wohl zumindest daran gewöhnen müssen, dass die Sommer in Zukunft ihre Katastrophen mitbringen. Zu lange schon haben die Industrienationen die Atmosphäre als Müllkippe verwendet.

Der Weltklimagipfel in Kopenhagen 2009 hat eines bewiesen: Die Regierungen der Industrieländer tun sich schwer, wenn es darum geht, sich auf konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz zu einigen, und die Chancen auf einen Erfolg in Cancún stehen schlecht. Auch scheint nach dem enttäuschenden Ergebnis von Kopenhagen bei vielen die Motivation auf einem Nullpunkt angekommen zu sein. Angesichts dieser Voraussetzungen wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit nur zu Ministerverhandlungen kommen und nicht zu einem Treffen von Staats- und Regierungschefs.

Ein Scheitern ist mitunter nicht nur die Schuld der Regierungen und ihrer Mitglieder. Diese Vertreten ja lediglich ihr Volk und dessen Gewohnheiten. Wohlstand benötigt Konsum. Konsum benötigt Energie. Und Energieumwandlung setzt - noch - viel CO2 frei.

Genau hier liegt das Problem. Ein Industrieland als Ganzes ist nicht in der Lage, seinen CO²-Haushalt schlicht zu reduzieren, ohne, dass der Bürger mitmacht. Niemand kann von seinen Politikern verlangen, Veränderungen durchzusetzen, ohne seine eigenen Bedürfnisse auch danach zu richten. Wer will sich beschweren über das Scheitern der Politiker auf den Klimaschutzkonferenzen, solange es die eigenen Gewohnheiten sind, die den CO²-Haushalt des Landes ausmachen?

Jeder kann etwas tun, niemand kann nichts tun.

Die Weltklimakonferenz Ende November in Cancún könnte dennoch zu einem Erfolg werden. Dies wird möglich sein, wenn jeder Mensch seine persönliche CO²-Bilanz überprüft und überdenkt. Wie viele Emissionen verursache ich? Was macht mein Nachbar besser als ich? Wie kann ich die Menge an CO² reduzieren? Wie muss ich mein Verhalten im Alltag ändern?
Eine Gesellschaft, die das verstanden hat, wird auch mit einem erfolgreicheren Abschneiden ihrer Regierungsvertreter bei zukünftigen Konferenzen rechnen können. Jetzt heißt es endlich handeln!


David Malecki / KlimAktiv gemeinnützige GmbH



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