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Durchbruch in letzter Sekunde: Erfolg für den Naturschutz in Nagoya (29.10.2010)

Mehr Schutz für Ozeane, keine Biopiraterie oder Überfischung in Zukunft - der Raubbau an der Natur soll gestoppt werden. Darauf hat sich nach heftigem Ringen die UN-Artenschutzkonferenz geeinigt.

Nagoya/Berlin - Aufatmen für die Natur: In letzter Sekunde ist auf der UN-Naturschutzkonferenz im japanischen Nagoya das gelungen, was vor wenigen Tagen fast unmöglich schien. Nicht zuletzt durch das starke Engagement des japanischen Organisationskomitees einigten sich die 193 Vertragsstaaten in den drei Zielen Artenschutz, naturgemäße Nutzung und gerechte Verteilung. Sie beschlossen auch, den Verlust der Artenvielfalt bis 2020 zu stoppen.

NagoyaSo sollen in den nächsten 10 Jahren etwa 17 Prozent der Landfläche und 10 Prozent der Meeresfläche unter Schutz gestellt werden. Das sind in Europa vier Prozent mehr Landfläche. Weltweit ist bislang nur ein Prozent der Ozeanfläche geschützt.

«Eine der großen positiven Entwicklungen auf dieser Konferenz war die Einigung beim Schutz der Meere», sagte Wakao Hanaoka von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Die neue Regelung halte fest, wo die Meeresschutzgebiete entstehen, wie die Flächen geschützt werden sollten und wer dies überwachen müsse. Weiterhin sollen Überfischung und Überdüngung zukünftig eingestellt werden.

«Das ist ein großer Erfolg», kommentierte Hubert Weiger vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Ausgang der Konferenz. Er ist froh, dass «Nagoya kein Kopenhagen» geworden ist.

Damit die Vertragsstaaten die sogenannte Strategie zum Schutz der Artenvielfalt anerkennen, musste zunächst der Durchbruch bei einem anderen Verhandlungsthema her: beim Protokoll gegen die Biopiraterie.

Beim ABS-Protokoll (Access and Benefit-Sharing; Verteilung von Zugriff und Gewinn) hatte es in den vergangenen Wochen heftige Diskussionen zwischen Entwicklungs- und Industrieländern gegeben. Das Protokoll soll zukünftig regeln, wie die Gewinne aus biologischen Wirkstoffen, etwa in der Medizin, gerecht zwischen Herkunftsland des Wirkstoffs und Herstellungsland des Pharmaprodukts aufgeteilt werden.

Dabei waren wichtige Punkte bis zum Schluss offen. Beispielsweise ging es darum, wie eine Kontrollstelle eingerichtet werden kann, die diesen Austausch überprüft. «Das neue Protokoll sieht Checkpoints dafür vor, die beispielsweise auch die Patentämter der Länder sein können», erklärte Konstantin Kreiser vom Naturschutzbund (NABU).

Diese Einigung gelang nur durch einen Last-Minute-Coup der Japaner. Bis spät in die Nacht hatten Minister der Entwicklungs- und Industrieländer diskutiert - ohne einen Kompromiss in Reichweite. Kurzerhand hatte der japanische Umweltminister Ryu Matsumoto dann angekündigt, einen eigenen Entwurf einzureichen. Die Japaner hätten sich stark für diesen Erfolg eingesetzt, bestätigten Umweltverbände. In letzter Minute konnte so ein Scheitern verhindert werden.

Erstmalig ist nun auch die Vereinbarung getroffen worden, sogenannte schädliche Subventionen bis zum Jahr 2020 einzustellen. Dies betrifft beispielsweise die Bezuschussung von Herstellungsprozessen in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft, die sich aber gleichzeitig negativ auf die Natur auswirken.

So wird in den meisten Teilen der Erde zu viel gedüngt. Ein wichtiges Düngemittel ist Stickstoff. Forscher gehen davon aus, dass 60 Prozent des eingetragenen Stickstoffs nicht von der Pflanze aufgenommen werden können. Sie werden ins Grundwasser gespült und können die Qualität der Flüsse, Seen sowie des Trinkwassers belasten. «Solche schädlichen Subventionen werden weltweit auf 500 Milliarden Dollar geschätzt», sagte Helmut Röscheisen vom Naturschutzring.

Große Fortschritte seien auch in der Finanzierungsfrage erreicht worden. «Zum ersten Mal (seit der Rio-Konvention 1992) gibt es nun ein konkretes Verfahren, um bis zur nächsten Konferenz 2012 die tatsächlichen Zahlungen und die benötigten Zahlungen für den weltweiten Naturschutz zu ermitteln», sagte Röscheisen.

«Es ist ein gutes Signal, auch für (die Klimakonferenz im mexikanischen) Cancún. Der Wälderschutz war hier ein großes Thema und wird in Cancún auch sehr wichtig sein», so Günter Mitlacher vom WWF.


Von Anna Martinsohn, dpa

© Nagoya



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