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Klimawandel wird zum Problem für die Bauern (20.08.2010)

Bild: Pixelio/jensclaasÄthiopische Hirse auf norddeutschen Äckern, Esskastanien in den Wäldern Niedersachsens. Der Klimawandel könnte auch angenehme Seiten haben. Doch sicher ist: Die Nachteile verlangen Vorsorge.

Lüneburg/Uelzen - Mit dem Klimawandel dürfte es unter Deutschlands Landwirten einige Gewinner und viele Verlierer geben. Schon wird das Wasser knapper, das spürt kaum ein Wirtschaftszweig so unmittelbar wie die Landwirtschaft. Die heißen trockenen Sommer werden besonders in den Regionen zu schweren Problemen führen, die ohnehin geringe Niederschläge und sandige wasserdurchlässige Böden haben, da sind sich die Experten der Ministerien und Landwirtschaftskammern einig.

Betroffen sind vor allem Brandenburg und der Nordosten Niedersachsens. Aber auch für Sachsen-Anhalt und das Thüringer Becken könnte es bei weiter steigenden Temperaturen und sinkenden Regenmengen eng werden. Während in den trockenen Gebieten mit einem Rückgang der Ernte zu rechnen ist, könnten heute eher kühle und feuchte Regionen im Norden und Westen Deutschlands von steigenden Temperaturen und immer längeren Vegetationsperioden profitieren.

«Mais war vor 20 Jahren in Norddeutschland noch kaum zu entdecken, es war ihm zu kalt. Heute bedeckt er 25 Prozent der Ackerfläche Niedersachsens», sagt Jürgen Grocholl von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Dem einst seltenen Exoten könnten weitere Feldfrüchte und Bäume eher südlicher Regionen folgen. Dazu gehören Wein, Esskastanien und in heimischen Gefilden bislang gänzlich unbekanntes Getreide. In Niedersachsen experimentiert die Landwirtschaftskammer bereits erfolgreich mit Teff, einer äthiopischen Hirseart. Teff braucht wenig Wasser und ist in seiner afrikanischen Heimat ein Grundnahrungsmittel.

«Die Niederschlagsverteilung und die Verdunstung haben sich speziell in den Frühjahrsmonaten spürbar verändert», sagt Monika von Haaren. Sie leitet KLIMZUG-NORD, ein regionales Projekt zur Erforschung neuer Möglichkeiten, auf die neuen geänderten Rahmenbedingungen zu reagieren. Zunehmend seien Wetterextreme wie Starkregen und Dürreperioden auch bei uns zu beobachten, stellt von Haaren fest. Es werde zukünftig mehr Niederschläge im Winter und erheblich trockenere Sommer als bisher geben.

Auch die Agrarstruktur müsse an die neuen Verhältnisse angepasst werden, so von Haaren. «Für die neuen aufwendigen Bewässerungsmethoden sind Flächen von mindestens 30 Hektar wünschenswert.» Dafür sollten sich kleinere Höfe zu entsprechenden Betriebsgemeinschaften zusammenschließen, schlägt sie vor.

Die Expertin fordert sparsamere Bewässerungsmethoden mit reduzierten Verdunstungsmengen sowie eine stärkere Nutzung von Brauchwasser zur Entlastung der kostbaren Grundwasservorräte. Sonst drohten den Landwirten in trockenen Regionen wie Nordost- Niedersachsen schwere Ernteeinbußen: «Schon jetzt ist das Wasser ein begrenzender Produktionsfaktor in der Landwirtschaft - Tendenz steigend.»

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen warnt gar vor regionalen «Totalverlusten». «Dreh- und Angelpunkt des Problems ist das Wasser», sagt Kammerpräsident Arendt Meyer zu Wehdel. Auch für die Viehhaltung zeichneten sich neue Probleme ab. Dem Vieh drohten Hitzestress und Krankheiten. «Und Ackerbauern werden es mit ganz neuen Schädlingen zu tun bekommen», warnt Meyer zu Wehdel.

Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, riet kürzlich zu Mischfruchtanbau, um die Landwirtschaft besser auf den Klimawandel vorzubereiten. Mehrere Früchte auf einem Feld seien weniger anfällig gegen Schädlinge und sicherten stabile Erträge. «Es wird keine globale Lösung geben», sagt Meyer zu Wehdel. «Wichtig ist deshalb die Entwicklung von regionalen und lokalen Anpassungsmaßnahmen.» Die Gesellschaft müsse endlich «Wasserwirtschaft statt Wasserbeseitigung betreiben».


Von Peer Körner, dpa



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