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Auswirkungen der Bioenergieproduktion auf die Artenvielfalt besser abschätzen können (27.04.2012)

Jena/Leipzig. Seit Jahren diskutieren Experten die ökologischen Auswirkungen des verstärkten Anbaus von Energiepflanzen. Wissenschaftler haben jetzt ein Computermodell entwickelt, das es ermöglicht, Folgen abzuschätzen und verschiedene Strategien zur Reduzierung von Risiken auf die Artenvielfalt in ihrer Wirksamkeit zu vergleichen.

Fazit: Die Ausweitung der Bioenergie ist problematisch für die Biodiversität in Agrarregionen. Durch verschiedene begleitende Maßnahmen wie den Erhalt von naturnahen Flächen könnten die Folgen jedoch verringert werden, schreiben Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in der aktuellen Ausgabe des Fachblattes Global Change Biology Bioenergy.

Bild: David Illich CC3.0links: Die Feldlerche (Alauda arvensis) brütet von Mai bis Juli, zieht dabei ein bis vier Junge auf und ernährt sich hauptsächlich von Insekten.

Besondere Bedeutung haben dabei Brachen, die spätestens seit dem Wegfall der EU-weiten Stilllegungsprämie 2009 infolge der insgesamt gestiegenen Nachfrage nach Agrarprodukten stark rückläufig sind und wieder für die intensive landwirtschaftliche Produktion genutzt werden. Ökologisch sinnvoller wäre es dagegen, wenigstens einen Teil der Fläche auch in Zukunft aus der landwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen und zu Brachen und Ackerrandstreifen entwickeln zu lassen. „Diese Flächen haben nicht nur einen hohen Wert für den Natur- und Klimaschutz, sondern können auch helfen, ungewollte Nebenwirkungen der Ausweitung von Bioenergie abzufedern und so externe Kosten zu vermeiden. Unsere Modellanalysen liefern damit nicht nur ökologische, sondern auch neue ökonomische Argumente für den Erhalt von Brachen und Ackerrandstreifen, die in der aktuellen Debatte um Konzepte für eine Green Economy sowie die Neuregelung der EU-Agrarpolitik berücksichtigt werden sollten“, unterstreicht Prof. Karin Frank vom Department für Ökologische Systemanalyse des UFZ.

bild: Volker Prashuhn CC3.0rechts: Die Ausweitung der Anbauflächen für Energiepflanzen, wie Mais, ist problematisch für die Biodiversität. Durch verschiedene begleitende Maßnahmen wie den Erhalt von naturnahen Flächen könnten die Folgen jedoch verringert werden.

„Der Vorschlag der EU, künftig sieben Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen naturnah zu halten, wird zurzeit kontrovers diskutiert. Unter dem Begriff „ökologische Vorrangflächen“ werden dabei alle extensiven, naturnäheren Flächen zusammengefasst wie zum Beispiel Brachen, Heckenstreifen, Streuobstwiesen oder Gewässerrandstreifen“, erläutert der Umweltrechtler Dr. Stefan Möckel vom UFZ.

Für die jetzt veröffentlichte Studie wurden verschiedene Szenarien der Ausweitung von Bioenergie in einem neu entwickelten Computermodell untersucht, um komplexe Zusammenhänge auf regionaler Landschaftsebene besser verstehen und ausgelöste ökologische Risiken identifizieren und analysieren zu können. Zusätzlich wurden verschiedene Varianten von begleitenden Naturschutzmaßnahmen untersucht, um Optionen für die Reduktion der Risiken zu entwickeln. Am Beispiel der Feldlerche (Alauda arvensis) wurde mithilfe dieses Computermodells gezeigt, dass typische Folgen eines verstärkten Energiepflanzenanbaus wie die Ausdünnung des Feldfruchtspektrums und eine zunehmende räumliche Agglomeration hin zu großflächigen Monokulturen negative Auswirkungen auf Feldvogelpopulationen haben können. Diesen Tendenzen in der heutigen Intensivlandwirtschaft kann durch den Erhalt von naturnahen Restflächen und Ackerrandstreifen entgegen gewirkt werden. Es zeigte sich aber auch, dass sowohl die Höhe der ausgelösten Risiken als auch die Wirksamkeit der Gegenmaßnahmen von der Struktur der jeweiligen Agrarlandschaft und der Größe der Felder abhängig ist. Je großflächiger und homogener die Landschaft, umso wichtiger der Erhalt von naturnahen hochdiversen Brachen und Ackerrandstreifen.

Die Feldlerche ist der häufigste Offenlandvogel Mitteleuropas. Die Intensivierung der Landwirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass die Bestände um rund ein Drittel zurückgegangen sind. „Die Feldlerche ist eine Indikatorart für den ökologischen Zustand vieler landwirtschaftlich genutzter Gebiete, weil sie verschiedene Bereiche dieses intensiv genutzten Offenlandes besiedelt, über mehrere Monate in Feldern auf dem Boden brütet und sich hauptsächlich von Insekten sowie von Samen der dort vorkommenden Wildkräuter und Getreidekörnern ernährt“, erklärt Jan Engel, Erstautor der UFZ-Studie, der mittlerweile an der Universität Jena forscht. „Diese Vogelart ist somit repräsentativ für wichtige Bereiche des Agrarökosystems. Eine Verbesserung der Habitatqualität für die Feldlerche würde somit auch dem Schutz von Vegetation, Insekten und anderen bodenbrütenden Vogelarten zu Gute kommen.“ Nach der Feldlerche (Alauda arvensis) arbeiten die Forscher derzeit daran, die Auswirkungen auf weitere Feldvogelarten wie Schafstelze (Motacilla flava) und Grauammer (Emberiza calandra) mit ihrem Modell zu untersuchen, um künftig weitergehende Aussagen machen zu können.

„Die Ergebnisse unserer Studie sind ein Beitrag zur Debatte um die ökologischen Auswirkungen einer verstärkten Bioenergieproduktion. Sie unterstreichen, dass es notwendig ist, begleitende Naturschutzmaßnahmen nach Möglichkeit an regionale Gegebenheiten anzupassen“, schlussfolgert Prof. Andreas Huth vom UFZ. Die Forscher empfehlen daher, bei der Bewertung der Auswirkungen der Bioenergie auch Unterschiede in den regionalen Landschaftstypen wie zum Beispiel die durchschnittliche Größe der Felder mit zu berücksichtigen und vor allem bei der anstehenden EU-Agrarreform Anreize zum Erhalt und zum Einrichten von ökologischen Vorrangflächen wie zum Beispiel Brachflächen zu schaffen.

Engel, J., Huth,A., and Frank, K. (2012): Bioenergy production and Skylark (Alauda arvensis) population abundance – a modelling approach for the analysis of land-use change impacts and conservation options. GCB Bioenergy. DOI: 10.1111/j.1757-1707.2012.01170.x
http://dx.doi.org/10.1111/j.1757-1707.2012.01170.x


Quelle: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung UFZ

© Bild: David Illich CC3.0

© bild: Volker Prashuhn CC3.0



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