Co2-Handel.de - Das Portal zum Emissionshandel und Klimaschutz
Seite empfehlen

Blühende Landschaften statt Mais-Einöde (13.08.2012)

Bild: KlimAktiv / ZügelDie Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina rät zur Abkehr von Biogas und Biokraftstoffen. Doch es gibt auch Alternativen zur umstrittenen massiven Nutzung von Mais für die Energiegewinnung in Deutschland - Nutznießer könnten dabei besonders die Bienen sein.

Berlin - Jetzt schalten sich auch noch die Imker in die deutsche Energiewende ein. «Wildpflanzen für Biogas-Anlagen anzubauen wäre für die Bienenhaltung die optimale Alternative zum Maisanbau», sagt Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund. Denn längst ziehen sich durch Deutschland riesige Mais-Einöden, selbst die Grünen zweifeln inzwischen an Art und Weise des Biomasse-Booms. Um das Maisproblem zu lösen, sind daher dringend Alternativen notwendig. Auch damit die Bienen weiterhin genug Nahrung finden und sich vermehren können.

Sprichwörtlich wie Pilze schießen bundesweit neue Biogas-Anlagen aus dem Boden - denn anders als Sonne und Wind können diese Anlagen wie Kohle- und Atomkraftwerke kontinuierlich die gleiche Menge an Strom liefern und somit Schwankungen ausgleichen. Doch der Maisanbau dafür - die Verwendung wurde mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bereits auf 60 Prozent gedeckelt - wird zu einem ökologischen Problem. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hatte Ende Juli die Biogas- und Biosprit-Strategie scharf kritisiert.

Anders als Photovoltaik oder Windenergie sei Bioenergie mit höheren Umweltbeeinträchtigungen verbunden, hieß es mit Blick auf die Böden und den hohen Einsatz von Düngemitteln für die Energiepflanzen. Derzeit werden nach Angaben des deutschen Biogasrates rund 13 Prozent der Maisanbauflächen zur Energieerzeugung in Biogas-Anlagen genutzt.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn bringt Wildblüten als Alternative ins Spiel. In mehreren Modellprojekten wird bundesweit derzeit - auch von Energieversorgern - geprüft, ob Sonnenblumen, Natternkopf oder Wegwarte helfen könnten, die Maisverwendung etwas zu bremsen.

Die Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe (FNR) führt hierzu ein entsprechendes Projekt «Energie aus Wildpflanzen» durch. Und die bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau hat mit einem Saatguthersteller entsprechende Tests an trockenen und nassen Standorten angeleiert. Es komme vor allem auf die Mischung der Wildpflanzen an, um ähnliche Energieerträge wie mit Mais zu erzielen.

Biogasrat-Geschäftsführer Reinhard Schultz sieht darin eine gute Alternative, ebenso in einer stärkeren Resteverwertung, etwa von Lebensmitteln aus der Gastronomie oder der Hopfenproduktion. «Da verändert sich das Bild bereits massiv», sagt er. Nicht Biogas sei primär an dem Maisproblem schuld, sondern die Futtermittelnachfrage in Ländern wie Niedersachsen für die boomende Intensivtierhaltung.

Der bayerische Landwirt Peter Rehm berichtet, dass im Landkreis Donau-Ries bereits 108 Hektar mit Malvenpflanzen oder Sonnenblumen bestückt worden seien. Zwar läge der Energieertrag nur bei etwa 50 Prozent im Vergleich zum Mais, aber dafür sei weniger Arbeits- und damit Kosteneinsatz notwendig. Und die Honighersteller würden auch profitieren. Unterstützt würden die Projekte auch vom bayerischen Jagdverband, da so wieder mehr Lebensraum für Wild geschaffen würde.

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sieht trotz der Kritik Biomasse als wichtigen Baustein der Energiewende an. Sie steuerte im ersten Halbjahr 5,7 Prozent der Stromproduktion bei. Der Maisanbau hat aber die Grünlandflächen in Deutschland drastisch sinken lassen. Von 1990 bis 2009 hätten sich diese um 875 000 Hektar verringert, betont das Bundesamt für den Naturschutz. Dies habe dramatische Folgen für Pflanzen- und Schmetterlingsarten. Eine Umwandlung in Ackerflächen gilt als klimaschädlich, da Grünland hohe Mengen an CO2 bindet, das beim Umbrechen wieder aus den Böden entweicht.

Hinzu kann eine mögliche Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion kommen - in Deutschland gibt es schon 7100 Biogasanlagen, in denen Energie erzeugt wird. Dennoch ist hierzulande das Problem «Tank statt Teller» noch nicht so virulent, auch weil Mais nur einer von vielen Brennstoffen ist und im Biokraftstoffbereich auf Raps oder Rüben gesetzt wird. Die Agentur für erneuerbare Energien betont, dass weltweit bisher genug Ackerflächen vorhanden sind, um Teller, Trog und Tank zu füllen. Doch die Frage ist schon: Wie lange noch?

Imkerbund-Sprecherin Petra Friedrich ist bisher - auch wegen der geringeren Energieausbeute - skeptisch, ob das Maisproblem durch einen verstärkten Wildpflanzenanbau wirklich gelöst werden kann. Bauern würden ohne Förderung kaum Interesse für diese Variante haben. Aber einen neuen Wildblumen-Bonus plant die Regierung bisher nicht.


Von Georg Ismar, dpa

© Bild: KlimAktiv / Zügel



GLS Bank


24.05.2013

27.-28.06.2013 eMobility Summit

Bessere Aussichten für Solarenergie durch trockengekühlte Energieerzeugung

WWF fordert Vorfahrt für die Elektromobilität

IEA: Kosten der Energiewende begrenzen und fair verteilen

Der lange Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft

CO2 - Marktbericht vom 24.05.2013

23.05.2013

Klimawandel schreitet langsam, aber stetig voran

Fraunhofer-Institut entwickelt Solarzelle mit 43,6 Prozent Wirkungsgrad

Umfrage: Unternehmen unterschätzen das Potenzial des Pkw-Labels

Kretschmann lobt Energiewende als ökonomisches Erfolgsmodell

Energieunternehmen fordern Politik zum Handeln auf

Wachstum oder Klimaschutz - EU-Vorstöße in der Energiepolitik

Chinas Solarhersteller werfen EU Protektionismus vor

CO2 - Marktbericht vom 23.05.2013

22.05.2013

Österreichs Grüne kritisieren Novellierung des Klimaschutzgesetzes

01.-02.06 2013: Umweltfestival in Berlin

EU-Parlament will verpflichtenden Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix ab 2030

VCD und DUH werfen Autoherstellern vor bei Klimaanlagen zu tricksen

CO2 - Marktbericht vom 22.05.2013

21.05.2013

Kretschmann ermutigt Japan zur Energiewende

Deutsche Post startet Einsatz von CO2-freien Zustellfahrzeugen

Studie: CCS-Technologie könnte kosteneffektiv werden

BDEW: Europäischer Energiebinnenmarkt darf nicht durch nationale Alleingänge konterkariert werden

Kongo plant größtes Wasserkraftwerk der Welt - Baubeginn 2015

CO2 - Marktbericht vom 21.05.2013

Bericht: Autobranche bittet im Klimaschutz-Streit Kanzlerin um Hilfe

20.05.2013

Studie: Erderwärmung langsamer - langfristig kein neues Gesamtbild

17.05.2013

Bundesverband Solarwirtschaft zeigt mehr Einsatz für Solarstom-Speicher

Windenergiereport 2012: Branche wächst weiter

Meeresspiegel: Ein Drittel des Anstiegs kommt aktuell von Gletschern

Vulkane sorgen für Klimagas-Schwankungen

Gipfelthemen zur EU-Energiepolitik

Bundestag kippt Verbot von Nachtspeicheröfen

CO2 - Marktbericht vom 17.05.2013

Geologe: An unterirdischer CO2-Speicherung führt kein Weg vorbei