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Vor Rio+20: Interesse an vergleichbaren Nachhaltigkeitsinformationen wächst (09.03.2012)

Rund vier Monate vor dem Beginn der Weltkonferenz über nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nation („Rio+20“) im brasilianischen Rio de Janeiro steigen in der Politik die Sympathien für eine global vergleichbare Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen.

Zustimmung dazu ließ zuletzt ebenfalls Peter Bakker erkennen, der als Präsident des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) Schwergewichte wie BP und IBM und DAX-Konzerne wie die Allianz, E.ON und Volkswagen repräsentiert. Auch in Deutschland wächst das Interesse an vergleichbaren Nachhaltigkeitsinformationen.

Bild: Pixelio/KellermeisterBakker liebäugelte im Februar in einem Interview mit dem US-amerikanischen Fernsehsender EETV mit einem weltweiten Rahmen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Das sei ein „wirklich neues, interessantes Element“ in der Debatte um den Beitrag der Wirtschaft zur Nachhaltigkeit. Für die Etablierung eines solchen Rahmens hatte sich kurz zuvor der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, starkgemacht. Ban sagte während eines Treffens mit Wirtschaftsführern Mitte Februar, er erachte deren Mitarbeit beim Aufbau dieses Systems als wichtigen Beitrag für einen Erfolg der Rio-Konferenz. Auch Investoren fragten Nachhaltigkeitsinformationen immer häufiger nach.

Die Umweltkosten unternehmerischer Tätigkeiten schnellen indessen rasant in die Höhe: Nach einer neuen Analyse der internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG stiegen diese Kosten zwischen 2002 und 2010 um 50 Prozent – von 566 Milliarden US-Dollar auf 846 Milliarden US-Dollar. In den nächsten 14 Jahren rechnen die Berater mit einer Verdopplung. Sie empfehlen Unternehmen, ihre Nachhaltigkeitsleistung genau zu messen und darüber zu berichten. Künftige Risiken für ihr Geschäft könnten sie so schneller erkennen und angehen.

Im Vorfeld der Rio-Konferenz wurden zuletzt auch seitens der Politik die Rufe nach einer verbindlicheren Nachhaltigkeitsberichterstattung lauter. Ein hochrangiges Beratergremium von Ban Ki-moon hat im Januar des Jahres eine Pflicht zur Berichterstattung empfohlen. Ihr sollen Unternehmen mit einem Marktwert von mehr als 100 Millionen US-Dollar unterliegen. Im kurz zuvor veröffentlichten ersten Entwurf eines Abschlussdokuments der UN-Nachhaltigkeitskonferenz in Rio werden ebenfalls mehr Verbindlichkeit und die Etablierung eines globalen Rahmens für die Nachhaltigkeitsberichterstattung gefordert.

Auch in der deutschen Wirtschaft häufen sich die Stimmen für eine sinnvolle Zusammenfassung unterschiedlichster Nachhaltigkeitsinformationen. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex DNK, den der Rat für Nachhaltige Entwicklung im Oktober verabschiedet hat, erfährt zunehmend Zuspruch. Er wird vom Nachhaltigkeitsrat zur freiwilligen Anwendung empfohlen. Der Kodex ermöglicht Unternehmen, ihre sozial-ökologische Leistung transparent und vergleichbar darzustellen. Alain Caparros, Vorstandsvorsitzender der REWE Group, sagt, der DNK gebe Unternehmen „einen kräftigen Impuls für mehr Transparenz und nachhaltige Verantwortung“. Es gehe jetzt darum, möglichst viele Unternehmen für die praktische Anwendung zu gewinnen.

Gerade für große, global operierende Unternehmen sei der Mehrwert des Kodex „nicht zu bestreiten“, so Peter Clever, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Große Konzerne betrieben erheblichen Aufwand, um den unterschiedlichen Informationsanforderungen von Investoren gerecht zu werden. Der DNK sei „sehr gut geeignet, eine sinnvolle Vereinheitlichung herbeizuführen“. Für kleine und mittelgroße Unternehmen sei der Gesamtkodex im Regelfall nicht geeignet, aber auch sie könnten aus dem Nachhaltigkeitskodex wichtige und hilfreiche Anregungen für nachhaltiges Wirtschaften schöpfen. Clever: „Es steht Deutschland gut an, hier Vorreiter zu sein.“

Mittlerweile liegen vier Entsprechenserklärungen zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex vor. Sie sind auf der Projektseite des Nachhaltigkeitsrates und auf den Webseiten der Unternehmen zu finden.

Weiterführende Informationen und Links finden Sie auf nachhaltigkeitsrat.de


Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung

© Bild: Pixelio/Kellermeister



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