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Ratingagentur: Unternehmen größtenteils noch nicht fit für die Zukunft (02.04.2012)

Ob Banken, Energieversorger oder Computerhersteller – bei der Nachhaltigkeit kommen viele Branchen nicht schnell genug voran. Zu diesem Urteil kommt die Münchener Nachhaltigkeitsratingagentur oekom research in einem Mitte März vorgestellten Bericht, für den sie die Nachhaltigkeitsleistung von mehr als 3.100 Unternehmen aus über 50 Ländern abgeklopft hat.

Dabei konnten die Analysten allenfalls zarte Triebe auf dem Weg zur „grünen“ Wirtschaft erkennen: Wirklich nachhaltig sei gerade mal jedes sechste Unternehmen. Branchen, die besonders wichtig für „grünere“ Wirtschaftsweisen sind, zeigten zu wenig Engagement.

Bild: Pixelio/Claudia35So tun zum Beispiel nur 23 von 294 bewerteten Banken aus 40 Ländern genug, um den von den Analysten definierten Mindestanforderungen ans Nachhaltigkeitsmanagement zu genügen. In einem bereits im Februar separat publizierten Branchenreport konnten sich von diesen Geschäftsbanken nur 73 für ein Nachhaltigkeitsrating qualifizieren. Der Rest zeigte zu wenig Engagement, um überhaupt bewertet werden zu können. Laut oekom research lag der Anteil nachhaltig verwalteter Kapitalanlagen bei fast allen Banken im einstelligen Prozentbereich. Kreditvergaben zu Unternehmens- und Projektfinanzierungen prüften sie meist nur mit Mindeststandards auf ihre ökologischen und sozialen Folgen.

Erheblichen Nachholbedarf haben die Analysten auch bei Energieversorgern festgestellt: Zwar investiere von den 154 bewerteten Unternehmen der Großteil in erneuerbare Energien. Kohle, Öl und in einigen Ländern auch Atomstrom bildeten aber weiterhin das Rückgrat ihres Geschäfts. Als nachhaltig stufen die Analysten lediglich 13 Prozent der Unternehmen ein. Auch verstoße fast jeder fünfte Energie- und Wasserversorger gegen Umweltauflagen. Konkret geht es unter anderem um große Staudammprojekte in Lateinamerika, bei denen deswegen schwere Ökoschäden drohen oder eingetreten sind.

Schwach schneiden laut oekom research ebenfalls Unternehmen der Informationstechnik (IT) ab. Nur 33 der 205 bewerteten Branchenfirmen konnten die Mindestanforderungen der Analysten erfüllen. Gerade Firmen in asiatischen Schwellenländern fielen negativ auf, durch Diskriminierung, mangelhafte Gesundheits- und Arbeitssicherheitsstandards oder massive Zwangsüberstunden. Im Branchenvergleich am besten schneiden Hersteller von Haushaltsprodukten ab. Der deutsche Wasch- und Reinigungsmittelhersteller Henkel liegt hier vorne. Allerdings erreichte auch dieser Wirtschaftszweig im Durchschnitt nur 46,5 von 100 möglichen Punkten in der oekom-Nachhaltigkeitsbewertung.

Diese niedrige Punktzahl selbst in den fortschrittlichsten Branchen weist nach Ansicht der Analysten auf einen „großen Verbesserungsbedarf“ hin. Matthias Bönning, Forschungschef bei oekom research, sagt, der Ehrgeiz des Nachhaltigkeitsmanagements „variiert deutlich zwischen den einzelnen Unternehmen, Branchen und Ländern“. Von den mehr als 3.100 bewerteten Unternehmen erreichten lediglich 543 die beste Nachhaltigkeitsbewertung. Ein Viertel zeigt laut Bönning gute Ansätze im Nachhaltigkeitsmanagement. „Ihnen fehlt aber eine systematische und flächendeckende Verankerung entsprechender Aspekte im Management.“ Satte 57 Prozent täten gar nichts oder kaum etwas für die Nachhaltigkeit.

Im direkten Ländervergleich haben Unternehmen aus Europa die Nase vorn. 40 Prozent der im Aktienindex MSCI World gelisteten deutschen, dänischen und britischen Unternehmen schneiden gut in Sachen Nachhaltigkeit ab. In Frankreich ist es jedes dritte Unternehmen, in der Schweiz und Österreich jedes Vierte. In den Industrienationen USA und Japan zeigt dagegen nicht einmal jedes zehnte Unternehmen ein ausreichendes Engagement. Bönning sagt, die Wirtschaft müsste sich auf dem Weg zur Nachhaltigkeit mehr anstrengen. „Hierfür können die Regierungschefs in Rio wichtige Weichen stellen.“

In der brasilianischen Millionenmetropole findet in diesem Juni die Weltkonferenz der Vereinten Nationen zur nachhaltigen Entwicklung statt. Wege zu einer nachhaltigen Wirtschaft („green economy“) sind ein Leitthema der Verhandlungen. Ohne die Wirtschaft werden diese nach Einschätzung von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon kaum erfolgreich verlaufen. Der UN-Chef mahnte erst Mitte Februar vor Hunderten Wirtschaftsvertreten mehr Engagement an: Nachhaltigkeit dürfe keine Sache von PR-Abteilungen sein. Sie gehöre in die DNA jedes Unternehmens. „Die Umsetzung der Nachhaltigkeit im großen Maßstab hat Priorität“, so Ban.

Weiterführende Informationen finden Sie auf nachhaltigkeitsrat.de 


Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung

© Bild: Pixelio/Claudia35



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