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Gletschernetz verschiebt antarktisches Eis über tausende von Kilometern (22.08.2011)

Im Rahmen des Internationalen Polarjahrs hatten Weltraumorganisationen ein besonderes Augenmerk auf die eisigen Regionen der Erde gerichtet und nun in der Auswertung ein weitverzweigtes Gletschernetz entdeckt, das Eismassen tausende Kilometer weit über die Antarktis schiebt. Diese neuen Erkenntnisse tragen entscheidend zum Verständnis des Meeresspiegelanstiegs bei.

Das Internationale Polarjahr (IPY - International Polar Year) vereinte weltweites Know How. Um das Erfassen der Daten zu optimieren, mussten Weltraumorganisationen weltweit den Einsatz ihrer unterschiedlichen Satelliten koordinieren. Mit mehr als 60 teilnehmenden Ländern lieferte das Forschungsvorhaben eine beispiellose Fülle an Informationen über die Polarregionen, von denen nun viele nun interpretiert werden, um die Beziehung zwischen diesen sensiblen Gebieten und dem Klima besser zu verstehen.

Antarktisches Eisschild Bild: ESAEisschild in Bewegung

Vor dem Projekt waren aus der östlichen Antarktis, die 77 % des Kontinents ausmacht, nur wenige Daten gesammelt worden und insbesondere die Darstellung der Zentral-Antarktis wies Lücken auf.

Die Karte, die nun von Wissenschaftlern der Universität von Kalifornien in Irvine und NASAs Jet Propulsion Laboratory erstellt wurde, zeigt nicht nur die Bewegung der großen Gletscher, sondern auch ihre Zuflüsse – im Grunde Ströme aus Eis – die tausende Kilometer weit ins Inland reichen.

Aus der Luft erscheint die Antarktis wie ein strukturloses, statisches und eisiges Relikt aus der Vergangenheit. Die neuen mittels Satellitendaten erstellten Karten reichen vom Pol bis zur Küste und zeigen kurvenreiche, flussähnliche Eisströme und dokumentieren die Geschwindigkeit, mit der sie sich von der Zentral-Antarktis in Richtung Meer bewegen.

Verständnis der Eisschild-Dynamik neu definiert

Das Magazin Science hat diese Woche das Ergebnis einer wissenschaftlichen Arbeit veröffentlicht, die unser Verständnis der Eisschild-Dynamik praktisch neu definiert. Hauptautor Eric Rignot ist begeistert: „Es ist so, als würde man zum ersten Mal eine Karte betrachten, die alle Meeresströmungen zeigt. Wir sehen erstaunliche Ströme aus der Mitte des Kontinents, die noch niemals zuvor beschrieben wurden.“

Wie beim Betrachten eines fertigen Puzzles, seien sie erstaunt gewesen, als sie einen Schritt zurücktraten, um das vollständige Bild auf sich wirken zu lassen, so Rignot.


Zu den Neuentdeckungen gehört auch ein Gebirgskamm, der die 14 Millionen Quadratkilometer große Landmasse von Ost nach West teilt. Die Forscher entdeckten aber auch Formationen, die sich jedes Jahr 250 Meter über die enormen, zum Südpolarmeer hin abfallenden Ebenen bewegen. Das hatten vorige Eismodelle noch anders gesehen.

Highlight internationaler Zusammenarbeit der Raumfahrtnationen

Mark Drinkwater von der ESA betont die Chancen multinationaler Zusammenarbeit: „Die Herausforderung, den Einfluss des Rückgangs der Eisschildmassen auf den Meeresspiegel zu verstehen und zu quantifizieren, ist eine globale wissenschaftliche Aufgabe, zu deren Bewältigung die Ressourcen von mehr als einem Land oder einer Weltraumorganisation notwendig sind." Mit diesen Informationen, so Drinkwater weiter, seien die Wissenschaftler nun in der Lage, den Eisschildfluss besser zu modellieren und die Unsicherheit in der Vorhersage des Einflusses der Klimaerwärmung auf den weltweiten Meeresspiegel zu reduzieren.


© Antarktisches Eisschild Bild: ESA



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