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Wetterkongress: Drei Mal mehr Wetterkatastrophen als in den 1970ern (20.03.2012)

Extremwetter wie heftige Stürme oder starken Hagel wird es in Deutschland künftig immer öfter geben. Experten fordern deshalb bessere Warnsysteme und Schutzmaßnahmen für die Energieversorgung.

Hamburg - Stürme, heftiger Regen, Überschwemmungen - extreme Wetterereignisse werden in Deutschland in den kommenden 30 Jahren weiter zunehmen. «Wir werden uns anpassen müssen», sagte der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, Paul Becker, am Dienstag beim 7. Extremwetterkongress in Hamburg. Ganz wichtig sei die Entwicklung guter Warnsysteme, die Leben retten könnten. Die Zahl wetterbedingter Naturkatastrophen hat sich in Deutschland seit den 1970er Jahren mehr als verdreifacht. Das geht aus Daten des weltweit größten Rückversicherers Munich Re hervor.

Bild: Pixelio/Peter Nimsch«Veränderungen in der Atmosphäre tragen einen Anteil daran, dass hier immer mehr Wetterextreme auftreten», sagte Professor Peter Höppe, Leiter der Georisikoforschung der Munich Re. Der Klimawandel wird nach Ansicht der Experten weiter voranschreiten. Die angestrebte Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad sei nur noch theoretisch möglich. Das signalisierten die weltwirtschaftlichen Entwicklungsszenarien der kommenden Jahrzehnte.

Grund für die Erwärmung sei der Anstieg des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2), erklärte Professor Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Das Jahrzehnt 2000 bis 2009 sei das wärmste seit Beginn der flächendeckenden instrumentellen Messungen gewesen. Langfristig würden die Temperaturen noch weiter klettern, davon dürften kurze «Atempausen» beim Anstieg nicht ablenken. «Deshalb müssen wir beim Klimaschutz vorankommen.»

Notwendig ist eine bessere und direktere Warnungen vor extremen Wetterereignissen wie Starkregen, Hagel und Stürmen. Vor allem eine kurze Warnkette, so die Experten, könnte dabei wesentlich zur Verminderung von Sach- und Personenschäden beitragen und helfen, die wirtschaftlichen Folgen zu mindern.

Das Zwei-Grad-Ziel, also die Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal zwei Grad, ist nach Einschätzung der Wissenschaftler nur noch theoretisch erreichbar. Die weltwirtschaftlichen Entwicklungsszenarien für die kommenden Jahrzehnte lassen einen deutlich höheren Anstieg der Temperaturen erwarten.

Die Zunahme extremer Wettereinflüsse habe Auswirkungen auf die Energieversorgung, betonte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Weil Deutschland in den kommenden vier Jahrzehnten den Anteil der erneuerbaren Energien auf 80 Prozent erhöhen wolle, steige die Anfälligkeit für Naturkatastrophen. Die Windgeschwindigkeit beispielsweise werde zeitweise geringer, dann wieder stärker als bisher. Das sei für die Windkraftanlagen problematisch, sagte Kemfert.

Die Zunahme extremer Wetterphänomene bringe die Energiewende zwar nicht in Gefahr, aber man müsse sich auf eventuelle Ausfälle vorbereiten. Es sei wichtig, die Netze auszubauen und innovative Stromspeicher zu schaffen, sagte Kemfert.


Quelle: dpa / zü

© Bild: Pixelio/Peter Nimsch



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