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Interview: Klimawissenschaftler hofft auf deutliches Signal in Durban

Am Montag (28. November) beginnt im südafrikanischen Durban die Weltklimakonferenz. Der Geophysiker und Klimawissenschaftler Klaus Grosfeld vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven hofft, dass von Durban ein klares Signal ausgeht.

Der Klimawandel hat bereits schwerwiegende Folgen, wie Grosfeld im dpa-Interview deutlich macht. Das Kyoto-Protokoll endet im nächsten Jahr. Bisher gibt es keine Nachfolgeverpflichtungen.

Was muss Durban aus Ihrer Sicht leisten?

Grosfeld: «In Durban steht die Glaubwürdigkeit der internationalen Klimapolitik auf dem Spiel. Hier sind alle gleichermaßen gefragt - die Industrienationen genauso wie die Schwellen- und Entwicklungsländer. Keiner darf nur darauf warten, dass der andere sich bewegt. Ich wünsche mir ein kraftvolles Signal, dass die Weltgemeinschaft sich gemeinsam und ernsthaft anstrengt, um die Energie- und Wirtschaftspolitik auf nachhaltige Konzepte umzustellen. Wir brauchen konkrete und zukunftsweisende Maßnahmen. Lippenbekenntnisse und politische Formelkompromisse helfen nicht weiter.»

Was sind die Alternativen, wenn es nicht zu einer Einigung kommt?

Grosfeld: «Der große Wurf eines Kyoto-Nachfolgeabkommens ist derzeit nicht zu erwarten. Ich hoffe, dass die großen Gruppierungen und Länder dazu bereit sind, den Weg der kleinen Schritte zu gehen und in bilateralen Verträgen/Bündnissen die Wende in eine kohlenstoffarme Wirtschaftsweise einzuläuten. Dies passiert teilweise schon und muss noch intensiviert werden. Dazu sind beispielsweise die Bestrebungen des Emissionshandels weiter voranzutreiben und auch Abkommen zum Schutz der Waldgebiete als Kohlenstoffsenken.»

Wo steht die Welt bei der Klimaerwärmung im Moment?

Grosfeld: «Die globale Erwärmung schreitet ungebremst weiter voran. 2010 war das wärmste Jahr seit Temperaturaufzeichnung. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts war die wärmste je gemessene Dekade. Die Eismassen in Grönland schmelzen an vielen Stellen mit zunehmendem Tempo, das Meereis in der Arktis hat in diesem Jahr seine zweitniedrigste sommerliche Ausdehnung gehabt und war genauso dünn wie im Rekordjahr 2007. Die Natur wartet nicht darauf, dass endlich verlässliche Abkommen geschlossen werden. Sie reagiert zunehmend und mit besonderer Intensität in den Polargebieten, die wiederum wesentliche Treiber des Weltklimas sind.»

Ist das Zwei-Grad-Ziel überhaupt noch zu erreichen?

Grosfeld: «Wenn der weltweite CO2-Ausstoß sich weiter so entwickelt wie bisher, kann man das Zwei-Grad-Ziel bis 2100 nicht einhalten. Das Zwei-Grad-Ziel würde eine dramatische Reduktion der Emissionen erfordern, die die im Kyoto-Protokoll festgelegten Reduktionen deutlich überschreiten müssten. Und je später mit den Reduktionen begonnen wird, umso stärker müssten diese ausfallen. Das ist wirtschaftlich schwer zu schaffen. Momentan bewegen wir uns mit den CO2-Emissionen sogar noch jenseits des im IPCC-Bericht festgelegten Worst-Case Szenarios, das eine Erwärmung von etwa vier Grad in 2100 projiziert.»

Sind wir in Deutschland auf dem richtigen Weg - oder was muss zusätzlich getan werden?

Grosfeld: «Mit der Energiewende hat die Bundesregierung einen klaren Schritt vollzogen, der nun weiter fortgeschrieben werden muss. Der Ausstieg aus der Kernenergie darf nicht gleichbedeutend mit mehr CO2-Emissionen stehen, sondern muss als Chance gesehen werden, regenerative Energiequellen weiter auszubauen. Dies verlangt Investitionen, die umverteilt, aber nicht allein auf dem Rücken der Bürger ausgetragen werden dürfen. Hier sind der Staat und die Wirtschaftsunternehmen in der Verantwortung, die letztendlich auch Profiteure von neuen Entwicklungen und späteren erwirtschafteten Gewinnen sind.

Jedoch kann jeder dazu beitragen, den Mentalitätswechsel mitzugestalten, durch Energieeinsparung und CO2-Vermeidung auch im privaten Sektor. Veränderung geschieht ja bekanntlich am einfachsten von unten und nicht, wenn sie verordnet wird.»

Anmerkung der Redaktion: den bundesdeutschen CO2-Rechner, entwickelt von KlimAktiv, mit Unterstützung des UBA und dem ifeu-Institut finden Sie hier


Interview: Sönke Möhl, dpa


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