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Südafrikaner sind stolz auf das kleine Durban-Wunder (11.12.2011)

Südafrika hat eine Pleite gefürchtet. Am Ende sehen die Gastgeber die Klimakonferenz von Durban doch noch als einen Erfolg - auch wenn dem der besondere Glanz fehlt .

Durban (dpa) - Viele Südafrikaner hatten befürchtet, dass die Klimakonferenz eine Pleite werden könnte. Ein schlechtes Zeichen war schon, dass sich angekündigte Weltstars nicht in der südafrikanischen Hafenstadt blicken ließen. Weder Bono, Angelina Jolie, Arnold Schwarzenegger noch Al Gore oder Leonardo DiCaprio schenkten dem Tagungsort den begehrten Glamour Hollywoods im Namen des Klimas.

Aber zumindest war am Sonntag nach zähem Ringen die schlimmste Befürchtung vom Tisch. «Durban darf nicht zum Friedhof Kyotos werden» hatten südafrikanische Spitzenbeamte ihre Klima-Gesprächspartner weltweit beschworen. Also ein Ende des bisher einzigen verbindlichen Klimaschutzabkommens ausgerechnet in Afrika, das ohnehin bereits deutlich einige Klimawandelfolgen spürt.

Trotz aller Unkenrufe konnte eine sichtlich erleichterte Konferenzpräsidentin am 14. Tag den mühsamen Kompromiss präsentieren. Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane war die enorme Erleichterung anzusehen. Obwohl dem Konferenz-Ergebnis der besondere Glanz fehlt, glauben die Südafrikaner stolz sein zu dürfen - vielen Delegierten erschien der Kompromiss fast wie ein kleines Wunder.

Lange sah es in den vergangenen 14 Tagen so aus, als ob die Klimakonferenz in Durban alles andere als ein Ruhmesblatt für die junge Regenbogennation werden würde. Wenig sah nach einem großen Durchbruch aus. Gastgeber Südafrika wurde anfangs noch gelobt, aber mit zunehmender Konferenzdauer immer stärker kritisiert. Dabei hatte die Tagung so vielversprechend angefangen. Mit einem dramatischen Appell hatte Präsident Jacob Zuma die internationale Staatengemeinschaft zu verbindlichen Klimaschutzvereinbarungen aufgefordert.

Nicht nur für Afrika sei das «eine Frage von Leben und Tod». Die Europäer lobten das südafrikanische Engagement über den grünen Klee. Aber nicht lange. Denn manche Diplomaten schimpften zum Ende hin, als die Positionen von 193 Staaten zu einem großen Ganzen zusammengefügt werden mussten, über ein «Konferenz-Chaos».

Delegationen klagten über schlechte Vorbereitungen von Sitzungen, dem Fehlen wichtiger Papiere, oder mangelhafter Sorgfalt bei der Erstellung von Vertragsentwürfen. «Wir sind wirklich enttäuscht über diese verwirrenden neuen Vorschläge der Konferenzleitung, wir wissen nicht, was die neuen Formulierungen wirklich bedeuten» schimpfte der russische Delegierte als neue, gewundene Kompromissformulierungen («gesetzlich abgesicherte Verfahren») präsentiert wurden. Erfolg oder Misserfolg der Konferenzen hängen letztlich wesentlich vom Gastgeber ab, der die Leitung hat und alle Interessen unter einen Hut bringen muss.

2009 hatte der dänische Ministerpräsident Lars Lokke Rasmussen gezeigt, was passieren kann, wenn auch die Konferenzleitung den Überblick verliert. Der Kopenhagen-Gipfel mit dutzenden Staats- und Regierungschefs endete im Chaos. Von dem Rückschlag hat sich die Klimaschützergemeinde bis heute nicht erholt. Nkoana-Mashabane selbst forderte von der Konferenz in der Schlussnacht «Führungskraft» - aber genau das fehlte der Tagung, auch deshalb habe man die Rekordzeit von 14 Tagen verhandeln und palavern müssen, meinten Diplomaten.

Delegierte vermissten von Seiten der Südafrikaner genau die beschworene «Leadership», also Führungsstärke. Das war vielleicht auch der Grund, warum die südafrikanische Außenministerin längst nicht so von den Delegierten gefeiert wurde wie vor einem Jahr in Cancún Mexikos Außenministerin Patricia Espinosa. Die wurde wegen ihres energischen Führungsstils und des kunstvollen Zusammenbringens schwierigster Positionen lange mit stehenden Ovationen bedacht und nach Kopenhagen als Retterin des UN-Klimaprozesses gefeiert.


Von Laszlo Trankovits und Georg Ismar, dpa



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