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Artenvielfalt auf Energiepflanzenfeldern (12.04.2012)

Auf 20 Prozent der insgesamt rund zwölf Millionen Hektar Ackerland bauen die deutschen Landwirte inzwischen Energiepflanzen an. Am beliebtesten: Mais. Die knapp werdenden Flächen werden immer intensiver bewirtschaftet. „Darunter leidet die Artenvielfalt“, warnt Martin Dieterich von der Universität Hohenheim. „Auf nachkartierten Äckern im Zollernalbkreis sind die Wildkräuter von 130 Arten im Jahre 1950 auf heute nur noch 30 zurückgegangen.“

Naturschützer versprachen sich von der Bioenergie vielfältigere Fruchtfolgen und mehr Artenreichtum auf Deutschlands Feldern. Stattdessen setzte sich vorwiegend Mais als Monokultur durch. Besonders dieser habe deshalb ein Imageproblem, erläutert Dieterich. „Die Landwirte wissen das und haben deshalb ein lebhaftes Interesse an alternativen Energiepflanzen.“

Pappeln als Energieholz Bild: Nasenbaer CC3.0Weitgehend ungeklärt ist aber bis heute, wie sie sich verschiedene Pflanzen jeweils auf die Artenvielfalt auswirken. An der Universtität Hohenheim will Martin Dieterich dies nun genauer untersuchen.  Auf zwölf Versuchsfeldern erfasst der Forscher aber nicht nur Pflanzen und Tiere. Er entwickelt auch neue wissenschaftliche Standards, die künftige Studien zur Ökologie von Nutzland besser vergleichbar machen.

„Wir definieren im Rahmen unserer Untersuchungen zwei Extreme: Mais als für die biologische Vielfalt schädlichste und Wildkräutermischungen als schonendste Energiepflanze," erklärt er sein Vorgehen.

Rangfolge der Energiepflanzen

Raps für den Biodiesel, Zuckerrüben für den Industriealkohol, Miscanthus als Brennstoff und unreifes Getreide für die Biogasanlagen: Das sind die Energiepflanzen, die in Bezug auf Biodiversitätseffekte zwischen dem angenommenen Pessimum Mais und dem Optimum Wildkräutermischungen stehen.

Die Rangfolge der anderen Pflanzen will Dieterich bei Felderversuchen festlegen: „Für jede der insgesamt sechs Energiepflanzen gibt es mindestens ein Hektar große Versuchsfelder“, erklärt der Landschaftsökologe. „Wir sehen uns dann die Artenvielfalt auf jedem einzelnen Feld an.“

Erfassen wollen Martin Dieterich und seine Mitarbeiter gezielt Gruppen, die verschiedene Funktionen im Ökosystem abdecken. Dazu gehören Wildpflanzen, Vögel, Insekten, Spinnen und Würmer. „Wenn wir sehen, welche dieser Pflanzen und Tiere vorkommen, können wir einschätzen, wie wertvoll die jeweilige Energiepflanze aus der Warte von Naturschützern ist und wie gut verschiedene Ökosystemfunktionen im jeweiligen Artenspektrum repräsentiert sind.“

Neue Vergleichs-Standards für Ökologische Studien

Um auch die Unterschiede in der Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt zweier verschiedener Landschaften vergleichen zu können, werden identische Untersuchungen in zwei Regionen umgesetzt, die sich im Landschaftsbild deutlich unterscheiden.

„Es gibt je sechs Felder im Kreis Sigmaringen und im Kreis Höxter. Wir erwarten in der kleinräumigen strukturierten Landschaft Oberschwabens eine höhere biologische Vielfalt als in der Bördelandschaft in Nordrhein-Westfalen.

Interessant ist für die Forscher aber noch etwas ganz anderes: „Bisher“, erklärt Prof. Dr. Dieterich, „sind ökologische Studien nur sehr schwer miteinander vergleichbar.“ Es fehle an wissenschaftlichen Standards. Die will der Hohenheimer Wissenschaftler in seiner Studie gleich mitliefern.

Bei den Standards geht es nicht nur um die Bewertung in Bezug zu Vergleichskulturen (Optimum und Pessimum). Vielmehr sind aus Sicht des Naturschutzes Arten in Bezug auf ihre „Wertigkeit“ auch unterschiedlich zu gewichten.

Zu einer Bewertung der Artenvielfalt ist Zählen nicht ausreichend

Seine Kritik: „Pflanzen und Tiere an einem Ort einfach nur zu zählen, ist nicht die beste Methode, eine Landschaft naturschutzfachlich oder ökologisch zu bewerten.“ Wichtiger sei die Gewichtung. Alle Lebewesen lassen sich in Spezialisten und Generalisten einteilen. „Dabei ist ein Spezialist aus Naturschutzsicht wertvoller als ein Generalist. Denn er ist an seinen Lebensraum so sehr angepasst, dass er schon bei geringfügigen Änderungen ausstirbt. Generalisten dagegen müssen nicht mit dieser ständigen Bedrohung leben. Sie sind flexibler und können sich an Umweltveränderungen anpassen oder diesen ausweichen.“

Das auf 1,5 Jahre angelegte Forschungsprojekt Biomassenkulturen der Zukunft aus Naturschutzsicht gehört zum Umweltforschungsplan des Bundesumweltministeriums und fördert das Projekt mit knapp 288.000 Euro. Damit gehört es zu den Schwergewichten der Forschung an der Universität Hohenheim.


© Pappeln als Energieholz Bild: Nasenbaer CC3.0



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