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Weltzukunftsrat: 2-Grad-Ziel bei Erderwärmung kaum noch zu schaffen

Jakob von Üxkull Bild: The World Future CouncilHamburg - Die Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad ist nach Ansicht des Weltzukunftsrates kaum mehr zu schaffen. «Ich sehe bisher keine Politik, mit der auch nur eine Begrenzung auf drei Grad - was leider schon zu viel wäre - zu erreichen ist», sagte der Initiator des Rates, Jakob von Uexküll, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa zum fünfjährigen Bestehen des Rates.

Wichtig sei, dass die Energiewende in Deutschland mit voller Kraft vorangetrieben wird, betonte der 67-Jährige. Der in Hamburg ansässige Weltzukunftsrat (World Future Council) wurde am 10. Mai 2007 mit finanzieller Unterstützung der Hansestadt und des Unternehmers Michael Otto gegründet. Die Stiftung unterstützt zukunftsweisende Politikansätze.

Um die globalen Probleme zu lösen, setzt der Weltzukunftsrat vor allem auf das Thema Klimawandel. Warum hat das für Sie die höchste Priorität?

Uexküll: «Der Klimawandel ist jetzt die größte Bedrohung für unsere gemeinsame Zukunft. Er kann alles zerstören, was wir als menschliche Zivilisation bisher erreicht haben. Wenn wir den Klimawandel nicht beherrschen, werden auch viele andere Probleme nicht lösbar sein -  Wasserknappheit, Hunger, Konflikte um knappe Ressourcen, riesige Flüchtlingsströme. Es ist nicht so, dass da bisher nichts getan wurde, aber es geht viel zu langsam voran. Auch in diesem Bereich identifiziert und verbreitet der Weltzukunftsrat die besten Gesetze. In einer Reihe von Ländern hat er einem Erneuerbare-Energien-Einspeisegesetz zum Durchbruch verholfen.»

Die internationale Staatengemeinschaft will die Begrenzung der Erderwärmung auf zwei Grad erreichen. Ist das Ziel überhaupt noch zu schaffen?

Uexküll: «Das ist sehr schwierig. Ich sehe bisher keine Politik, mit der auch nur eine Begrenzung auf drei Grad - was leider schon zu viel wäre - zu erreichen ist. Da müsste sehr viel mehr passieren. Es nicht zu schaffen, wäre ein Verbrechen gegen zukünftige Generationen. Wir arbeiten deshalb für die Einrichtung einer Ombudsstelle auf UN-Ebene, die sich für die Interessen nachfolgender Generationen einsetzen soll. Das wird auch Thema auf der UN-Entwicklungskonferenz im Juni in Rio de Janeiro sein. Es wird immer behauptet, es gebe nicht genug Geld, um das Klima zu retten. Das ist absurd. Ein Klimabankrott würde Jahrtausende nachwirken.»

Wie wichtig ist global gesehen die in Deutschland nach der Atomkatastrophe in Fukushima vorangetriebene Energiewende?

Uexküll: «Damit wurde ein Zeichen gesetzt, das weltweite Aufmerksamkeit brachte. Doch die Bundesregierung muss noch viel mehr tun, damit genügend Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird. Jeder Tag, an dem wir diese nicht nutzen, zerstören wir Naturkapital. Wenn wir bei der Energiewende versagen sollten, wenn es plötzlich Engpässe gäbe, dann würden Kritiker sagen: "Haben wir doch gleich gesagt." Das Vorhaben hat für die Welt eine wichtige Vorbildfunktion.»

Bereits 1980 haben Sie den Alternativen Nobelpreis ins Leben gerufen. Warum war es für Sie wichtig, vor fünf Jahren zusätzlich noch den Weltzukunftsrat zu gründen?

Uexküll: «Der Weltzukunftsrat versteht sich als Stimme zukünftiger Generationen. Der schnellste Weg, deren Rechte zu schützen, ist Gesetze zu verbessern. Deshalb fand ich es wichtig, dass der Weltzukunftsrat international beispielhafte Gesetze mit einem Future Policy Award auszeichnet und für die Einführung in anderen Ländern arbeitet. Die prämierten Gesetze dürfen dabei nicht nur auf dem Papier stehen, sie müssen bereits nachweisbar Wirkung erzielt haben.

Wir sind eine einmalige Organisation. Unsere bis zu 50 Ratsmitglieder von allen fünf Kontinenten kommen aus Politik, Geschäftswelt, Wissenschaft und Kultur. Erst kürzlich wurde die Schimpansenforscherin Jane Goodall Ehrenratsmitglied. In Hamburg ist das Generalsekretariat beheimatet. Wir haben aber auch Büros in London, Brüssel, Washington und Johannesburg, bald soll noch eines in Indien aufmachen. Wir müssen weiter wachsen, denn die Aufgaben sind enorm.»


Interview: Stephanie Lettgen, dpa

© Jakob von Üxkull Bild: The World Future Council



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