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Von Weizsäcker: Klima- und Artenschutz muss profitabel werden (12.05.2012)

Berlin - Der Club of Rome gibt 40 Jahre nach dem Report «Die Grenzen des Wachstums» nun einen neuen Ausblick bis 2052. Der erste hat nach Ansicht von Ernst Ulrich von Weizsäcker (72) viel bewirkt. Die Umweltverschmutzung steige in weiten Teilen der Welt bereits nicht mehr genau so schnell wie das Wirtschaftswachstum. Nun müsse auch noch der Naturverbrauch weiter vom Wirtschaftswachstum abgekoppelt werden, sagte der Wissenschaftler und Politiker in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Was hat das Buch «Die Grenzen des Wachstums» für die Umwelt bewirkt?

Von Weizsäcker: «Die Europäer haben daraus insbesondere im Zusammenhang mit der Ölkrise ziemlich genau das Richtige gelernt. Dass man anfangen muss, sich für Solarenergie zu interessieren, und dass man energieeffizient leben muss - in England nannte man Effizienz die fünfte Brennstoffquelle. Die Entwicklungsländer haben zunächst negativ reagiert und die US-Amerikaner auch. In den USA wurde Club of Rome später mit europäischen Pessimismus gleichgesetzt.»

Wo sehen Sie seit 1972 die größten Fortschritte im Umweltbereich?

Prof. Ernst-Ulrich von Weizsäcker Bild: dpaVon Weizsäcker: «Damals galt noch, was in den "Grenzen des Wachstums" stand: Umweltverschmutzung wächst proportional mit dem Wirtschaftswachstum. Die Idee, dass man das voneinander abkoppeln kann, war in den Formeln des Werkes noch nicht vorgesehen. Durch die rot-gelbe Bundesregierung (sozial-liberale Koalition) kam dann die Umweltpolitik auf, und nach etwa 30 Jahren Umweltpolitik war die Abkopplung geschafft. Aber nun brauchen wir noch eine Abkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch.»

Wird der Report «2052» so aufrütteln wie «Die Grenzen des Wachstums»?

Von Weizsäcker: «Nein. Es ist bereits bekannt, dass man eine ganz dramatische Umstellung der Wirtschaft braucht, um das Ganze noch halbwegs in den Griff zu kriegen. Im Moment wird ja das Weltgeschehen zudem nicht von dem bestimmt, was Europäer sagen, sondern von dem, was Brasilianer, Chinesen und US-Amerikaner sagen. Und dort stehen Klima und Umwelt im dritten Glied.»

Bedeutet das Wirtschaftswachstum wie im Report berichtet derzeit gar kein oder kaum einen Gewinn, wenn man den Umweltverbrauch einrechnet?

Von Weizsäcker: «Ich finde die Warnung des Reports großartig, aber das kommt in der breiten Bevölkerung überhaupt nicht an. Deutschland ist an der Stelle noch recht ausgewogen, andere sehen aber nur das Wachstum. Dass dies fast alles zu Lasten der Natur geht, dass die Brasilianer, ähnlich wie die Kuwaiter oder Angolaner einfach ihre Natur verkaufen oder ihre Bodenschätze und dadurch eine Art von Reichtumsblase entsteht, das ist dort kaum im Bewusstsein.»

Sehen Sie einen Lösungsweg?

Von Weizsäcker: «Wir müssen Klimaschutz und Artenschutz richtig profitabel machen und endlich aufhören mit dem Geseiere, wir sollten den Gürtel enger schnallen, damit wir unser Klima schützen können. Das ist eine politische Totgeburt. In meinem Buch "Faktor Fünf" schlage ich vor, insbesondere die Energiepreise jedes Jahr um so viel teuerer zu machen, wie die Effizienz im abgelaufenen Jahr zugenommen hat. So dass zwar die Ausgaben für Energie im Durchschnitt konstant bleiben, aber eine Selbstbeschleunigung der Energieeffizienz eintritt.»

Wie setzt man so etwas für den Artenschutz um?

Von Weizsäcker: «Bei Energie ist es leichter und wichtiger. Bei Artenvielfalt kann man vielleicht den ökologisch zerstörerischen Landverbrauch teurer machen und damit effizientere und ökologischere Landnutzung belohnen und die Anlage idiotischer Palmölplantagen bestrafen. Bei Energie sollten wir vorausgehen und vormachen, dass wir damit Arbeitsplätze sichern und Wohlstand erzeugen. Alle Leute gucken ja auch gebannt nach Deutschland, wie wir das mit dem Atomausstieg wohlstandskonform hinkriegen. Wenn wir den Klimaschutz und Umweltschutz profitabel machen, dann wird das überall kopiert.»

Gibt es noch Potenzial, etwas zu ändern?

Von Weizsäcker: «Es ist noch Luft in vielen Bereichen: Die Landwirtschaft verzichtet beispielsweise noch weitgehend auf Tropfenbewässerung. Wenn es mit Trockenheit wirklich ernst wird, kriegt das Wasser seinen Preis und diese Technik wird rentabel.»


Von Simone Humml, dpa

© Prof. Ernst-Ulrich von Weizsäcker Bild: dpa



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