Vor wenigen Wochen startete das Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei den Betrieb der Anlage auf dem Stechlinsee (Oberhavel). Am kommenden Freitag wird das Labor offiziell eröffnet. «Wir wollen die Klimafolgenforschung am Beispiel von Seen auf ein neues Niveau heben», erklärt der Projektleiter, Professor Mark Gessner.
Bisher hätten die Forscher vorwiegend in kleinem Maßstab im Labor experimentiert und Langzeitdatenreihen analysiert. Doch die Auswirkungen von Klimaveränderungen seien noch nicht genügend verstanden. Das Seelabor biete nun unter weitgehend natürlichen Bedingungen ganz neue Möglichkeiten.
Die Anlage besteht aus 24 Versuchszylindern mit einem Durchmesser von je neun Metern. Die mit einer Spezialfolie ummantelten Röhren sind jeweils 20 Meter tief und reichen bis auf den Seegrund. Mit einer Unterwasser-Sprinkleranlage können die Forscher das Wasser in den einzelnen Zylindern mischen und so die Lebensraumbedingungen verändern. So lasse sich zum Beispiel die warme Oberflächenwasserschicht im Sommer vergrößern oder die Temperatur des Tiefenwassers erhöhen, erklärt Gessner.
Welche Auswirkungen dies auf die Tier- und Pflanzenwelt oder den Nährstoffgehalt des Wassers hat, sollen die Untersuchungen zeigen. In jeder Röhre liefern Messsonden Daten zu Temperatur, pH-Wert, Sauerstoffgehalt, Trübung, Lichtintensität und Algendichte in verschiedenen Tiefen. Geplant seien verschiedene Experimente, bei denen auch andere Ereignisse wir Sturm oder Starkregen simuliert werden, die in Zukunft häufiger erwartet werden. «Aus den Erkenntnissen wollen wir künftige Handlungsoptionen für das Management von Seen ableiten», sagt Gessner.
Auch andere Wissenschaftler aus dem In- und Ausland seien eingeladen, das Labor zu nutzen und ihre Ideen einzubringen. Finanziert wurde die Anlage mit fünf Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium. Der Stechlinsee ist mit fast 70 Metern einer der tiefsten Seen der Mecklenburgischen Seenplatte. Seit 1957 wird er regelmäßig untersucht. «Dadurch stehen der Wissenschaft heute wertvolle Langzeitdaten zur Verfügung», sagt Peter Casper, der seit fast 30 Jahren am Stechlinsee forscht.
Die gute Datenlage und die Tatsache, dass das Leibniz-Institut am Seeufer seit Jahren ein Labor betreibt, waren laut Gessner Gründe für die Wahl des Stechlinsees. Eingeschlossene Seebecken im Freiland sind in der Forschung nicht neu. Bereits in den 1970er Jahren haben Wissenschaftler drei große Zylinder im englischen Lake District installiert. «Die Aussagekraft der dort durchgeführten Versuche war jedoch begrenzt, weil die Zahl der gleich behandelten Versuchseinheiten unzureichend war, um statistisch gesicherte Aussagen abzuleiten», sagt Gessner. Das Seelabor erfülle diese zentrale Voraussetzung dagegen bestens. Das Projekt sei zunächst auf 10 bis 20 Jahre angelegt.

