«Eine solche interdisziplinäre wissenschaftliche Einrichtung ist dringend geboten, um den notwendigen Bewusstseinswandel zu schaffen», sagte der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels in einem dpa-Gespräch über den Physiker und Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker (1912-2007), der am 28. Juni 100 Jahre alt geworden wäre.
Von Weizsäcker hatte das zehn Jahre existierende interdisziplinäre Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der technisch wissenschaftlichen Welt angeregt und von 1970 bis 1980 in Starnberg (Bayern) geleitet. Das «Institut für unangenehme Fragestellungen», wie es auch salopp genannt wurde, war dann geschlossen worden. Zu den Mitarbeitern gehörte auch der Sozialphilosoph Jürgen Habermas.
Die Existenz des Globus stehe auf dem Spiel, warnte der Wittenberger Theologe, der an der Weizsäcker-Tagung «Physik, Philosophie und Friedensforschung» (20.-22. Juni) an der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt), teilnahm. Abrüstung und die Abschaffung des Krieges müssten im Zeitalter der Atombombe erreicht werden, wie dies bereits von Weizsäcker erkannt habe. Der Hunger wachse in dem Maße, wie die Weltungerechtigkeit in der weltwirtschaftlichen Ordnung immer dramatischer werde. «Der Klimawandel, der eigentlich eine schleichende Klimakatastrophe ist, und auch der Verbrauch der Ressourcen wird unserer Verantwortung vor den nächsten Generationen nicht gerecht», sagte der 68-Jährige.
Der engagierte lutherische Christ Carl Friedrich von Weizsäcker sei davon ausgegangen, dass ein wirklicher Wandel der Welt nur über einen Bewusstseinswandel der vielen Einzelnen erreichbar sei, sagte Schorlemmer. «Weizsäcker war nie für äußere Revolution, er war für innere Revolution, die dann auch äußere Konsequenzen hat.» Deutschland sollte bei der Gründung eines Instituts für die Überlebensfragen vorangehen, aber die anderen Nationen gleich miteinbeziehen. «Ein solches Institut sollte zumindest gesamteuropäisch sein.» Auf die Frage, ob Weizsäcker mit seinen zentralen Anliegen, den Krieg abzuschaffen und die Welt gerechter zu machen, gescheitert sei, sagte der Theologe: «Nein, wenn er scheitert, scheitern wir alle.»

