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Schavan: 'HALO' wird die Klimaforschung voranbringen (20.08.2012)

Das neue Forschungsflugzeugs "HALO" wird heute (20.08.12)in Oberpfaffenhofen übergeben. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) erklärt, was HALO genau ist und was die Forscher davon erwarten.

Bild: EU Frau Schavan, das neue Forschungsflugzeug HALO soll die Klimaforschung in Deutschland und Europa voranbringen. Aber ist ein solches Flugzeug wirklich nötig?

Schavan: Wir müssen die Prozesse besser verstehen lernen, die sich in unserer Atmosphäre abspielen. Nur so können wir uns auf den Klimawandel einstellen und die nötigen politischen Entscheidungen treffen. Wie bilden sich extreme Wetterereignisse? Wie kommt es zu Ozonstörungen in großen Höhen? Forschungsflugzeuge sind für die Atmosphärenforschung unverzichtbar: Sie schließen die Lücke zwischen den Beobachtungsstationen auf der Erde und den Satelliten im All. Im Vergleich zum Satelliten haben Flugzeugmessungen eine bessere räumliche Auflösung und den Vorteil, auch sehr komplizierte Instrumente tragen zu können. Mit HALO baut Deutschland seine Spitzenposition in der Atmosphärenforschung aus.

Was ist HALO eigentlich genau?

Schavan: Die Abkürzung steht für High Altitude and Long Range Research Aircraft - es handelt sich also um ein Flugzeug, das sehr weit und sehr hoch fliegen kann. Konkret schafft es mit nur einer Tankfüllung mehr als 8000 Kilometer - das reicht, um alle Regionen von den Polen bis zu den Tropen und den abgelegenen Gebieten des Pazifiks zu erreichen. In der Höhe kommt es bis auf 15 Kilometer - so werden Messungen in der unteren Stratosphäre möglich. Das ist faszinierend, nicht nur für Technikbegeisterte. HALO ist eine technische Meisterleistung: An Bord finden mehr als doppelt so viele Instrumente Platz wie in einem älteren Forschungsflugzeug. Sie erlauben die umfassende Erforschung komplexer atmosphärischer Zusammenhänge.

Wie kann man sich das als Laie vorstellen: Was genau kann HALO erforschen?

Schavan: Die Umweltforscher haben zahlreiche Missionsvorschläge erarbeitet. Zum Beispiel geht es um die Lebensdauer von Schadstoffen und verschiedenen Treibhausgasen. Wir wollen die stark steigenden Schadstoffemissionen in Europa, Nordamerika und Asien vermessen und ihre Wirkung auf die Atmosphäre bestimmen. Die Folgen der globalen Erwärmung sind ja schon deutlich auszumachen. Investitionen in den Klimaschutz lohnen sich in doppelter Hinsicht. Sie tragen dazu bei, unseren Lebensraum für künftige Generationen zu erhalten. Zugleich bieten sie neue Chancen für unsere Wirtschaft. Mit den HALO-Missionen wird der Wirtschaftsstandort Deutschland gestärkt. Darum hat das Bundesforschungsministerium rund 50 Millionen Euro zu den Gesamtkosten des Projekts von 74 Millionen Euro beigetragen. Es ist eingebettet in die europäische Forschungslandschaft, das heißt, das Flugzeug wird Forschern in ganz Europa zur Verfügung stehen. Betrieben wird es übrigens von der Forschungsflugabteilung des DLR, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt.

Von wegen Klimawandel: Immer wieder werden Zweifel laut, ob die Warnungen vor dem Klimawandel nicht übertrieben sind.

Schavan: Es geht nicht darum zu diskutieren, ob nun wirklich alle Klimasimulationen so und nicht anders eintreffen werden. Es geht darum, dass wir keine Zeit verlieren dürfen. Wir müssen handeln, um den Klimawandel einzudämmen, wir müssen Projekte beginnen, um mehr über ihn zu lernen. Die Inbetriebnahme von HALO ist dabei ein wichtiger Schritt. Sie zeigt: Wissenschaft hilft mit, die Erde für kommende Generationen zu bewahren. Dabei haben wir schon einiges geleistet: So waren die CO2-Emissionen in Deutschland im Jahr 2010 um 24 Prozent geringer als 1990, und dass bei wachsender Wirtschaft. Zur "Grünen Ökonomie", wie sie beim Rio+20-Gipfel im Juni diskutiert wurde, leistet Deutschland einen wichtigen Beitrag. Vor allem aber wollen wir die Energieversorgung in unserem Land neu ausrichten, das Stichwort heißt Energiewende. Das zeigt, dass wir unsere Verantwortung für die Umwelt überaus ernst nehmen. Gelingen kann das nur, wenn Wissenschaft, Politik und Wirtschaft eng zusammenarbeiten.

Welche Rolle genau spielt die Forschung?

Schavan: Forscherinnen und Forscher arbeiten daran, neue Wege zu finden, um unsere Umwelt und damit unsere Lebensgrundlagen zu schützen. Es gibt in Deutschland eine lange Tradition, Forschung und Entwicklung in den Dienst der Nachhaltigkeit zu stellen. Daran knüpfen wir an, nehmen Sie nur die nationale Nachhaltigkeitsstrategie. Oder das Wissenschaftsjahr "Zukunftsprojekt Erde": Mit den Bürgern wollen wir darüber diskutieren, wie wir künftig leben und wirtschaften wollen. In Städten, Gemeinden und Landkreisen werden Ideen rund um die nachhaltige Entwicklung gesammelt, 3,5 Millionen Euro stellt das Bundesforschungsministerium für diese "ZukunftsWerkStadt" bereit. Jeder kann mitmachen.

Müssen wir unser Leben ändern?

Schavan: Ja, um die Lebenschancen künftiger Generationen zu bewahren, müssen wir unser Leben an vielen Punkten neu ausrichten. Wir müssen vor allem ein neues Verständnis von dem entwickeln, was wir unter Wachstum verstehen. Es muss dem Wohle der Menschen dienen, also nachhaltig sein. Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Verlust der Artenvielfalt gehen uns alle an. HALO hilft, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Es nicht nur eines unserer wichtigsten Großgeräte der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung. Es ist ein globales Werkzeug. Von ihm erhoffe ich mir einen hohen Erkenntnisgewinn.


Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung

© Bild: EU



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